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Wohin ich schaue im nahen Umkreis, habe ich es mit Großfamilien zu tun: sieben eigene Kinder, drei Generationen zurück sieben Kinder, die Familie der Mutter unserer Kinder hat acht Kinder, ich habe sechs Schwestern, Vater und Mutter je sechs Geschwister. Mir ist FAMILIE ein Begriff.
In solch ein Nest hineingeboren ist mir "Blutsbande" ein Wort, mit welchem ich stets meine Schwierigkeiten hatte. Verwandtschaft, Vaterschaft, Mutterschaft scheinen mir eher geistige als biologische Eigenschaften zu sein, die ständig erworben, gepflegt, erneuert werden müssen.
Immer mehr erkenne ich, wie sehr soziale Herkunft, Geschlecht, Alter, Erziehung, Umwelt, die Stellung innerhalb der Familie für das Weltbild des Menschen ausschlaggebend sind.
Vater und Mutter können Erzieher und Lehrer, der Großvater kann der Freund sein. So waren die Bezugspersonen meines größten geistigen Profits wohl Großvater und Onkel - beide Radierer - und sicher Otto Pankok, der Professor meiner Studienjahre in Düsseldorf. Wir haben zahlreicheFreunde, die uns Kraft geben und denen wir Hilfe sind, die uns zu Christen machen. Die Übersetzung des lat. FAMILIA heißt:
Hausgemeinschaft, Vermögen, Gesinde, Bande. Was hat dies mit AMICITIA, Freundschaft zu tun? Es ist gut, wenn beides zusammentrifft.
Ein ganz wesentlicher Vorzug der Familien-Hausgemeinschaft scheint mir folgender zu sein: das Fähigwerden zur Einordnung in das Ganze, die Solidarität, das Teilen-Können, das
Verzichten-Lernen zugunsten anderer, die Möglichkeit des gemeinsamen offenen Gesprächs; auch das Erlernen des gemeinsamen Feierns und Trauerns. Solche Gemeinschaften sind geistige Familien. Ich habe großartige Frauen und ,,Mütter" kennengelernt, die am Muttertag im Mai zu kurz kamen: zölibatär lebende Nonnen, kinderlose Männer, die vorzügliche Väter ihrer Jugendgruppen waren. Welcher Art sind die Väter und Mütter der leiblichen, ehelichen, vorehelichen, unehelichen, außerehelichen, gesetzlichen, geliehenen, der Adoptiv- und Pflegekinder?
So sehe ich Vaterschaft und Mutterschaft mit Dankbarkeit und viel eher als Aufforderung und Verpflichtung, denn als biologisches Phänomen.
Ich habe Erwachsene erlebt, die nicht sagen konnten, welche Berufstätigkeit ihre Geschwister hatten, Mütter, welche die Mägde und Knechte ihrer so genannten Familien waren, Männer, in der Gesellschaft hochangesehen, die nach der Erledigung des Kinderzeugens nur noch belächelte Zahlmeister ihrer Familien waren, Kinder, deren Ziel der Zeitpunkt des Erbens war.
Was ist da Familie? Ist es das, was schwarz uniformiert hinter einem Sarg herläuft? Nach dem großen heuchlerischen Heulen führt wieder jeder Kleinkrieg gegen jeden anderen:
Christen, die sich weder an die lex naturalis, noch an das Hauptgebot der Liebe, noch an das vierte Gebot des Dekalogs halten.
Meine Familie überschreitet die Grenzen der bei mir ohnehin großen Blutsverwandtschaft. |